
DIE VERTEIDIGUNG DEUTSCHLANDS AM HINDUKUSCH
Theaterstück der Berliner Comagnie
In diesem Jahr entwickelt sich die LiMA in verschiedene Richtungen weiter. 2010 bekommt die LiMA Zuwachs im kulturellen Bereich. Die Berliner Compagnie führt am Freitag, den 12.03.2010 um 20.00 Uhr das Theaterstück “Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch” auf.
“Sie haben nicht aufgegeben, beuten sich noch immer selber aus – aber dafür sind sie überzeugt von dem, was sie spielen: Die Gruppe »Berliner Compagnie« unter Helma Fries. Und das kommt rüber. Früher haben sie erfolgreich, wenn auch leider folgenlos versucht, uns aufzurütteln über das, was bei uns und weltweit mit dem Wasser als Ware geschieht, oder über unsere Komplizität mit den Militärregimen der Dritten Welt, oder über die verbrecherische Kreditpolitik der großen Banken. Wenn man die inzwischen mehr als zwanzig Produktionen von Helma Fries aus den fünfundzwanzig Lebensjahren dieser großartigen kleinen Truppe aneinanderlegt, so bilden sie eine einmalige Chronologie der großen Themen und Konflikte der Weltökonomie und –politik in kritisch-linker Perspektive: Die meisten markieren linke Niederlagen – aber es gehören auch kleine symbolische Siege des Widerstandes Einzelner dazu, die Mut machen, nicht zu resignieren.
Die Berliner Compagnie selbst ist so ein Mut machendes Unternehmen: Eines der kleinsten Theater, das man sich vorstellen kann – kaum mehr als vierzig Sitze hat es in einem Kreuzberger Hinterhof – erzeugt es doch mit bescheidenen Mitteln mehr Enthusiasmus bei seinem Publikum, als die großen super-subventionierten Bühnen mit ihrem Routine-Repertoir.
Bescheidene Mittel: eine multifunktional eingesetzte Leiter ist das einzige Requisit, aus dem für unsere anteilnehmende Einbildungskraft eine mehrdimensionale Welt vieler Schauplätze ersteht. Die Bühne und die Kostüme, die den vielen Rollen wie auf den Leib geschneidert sind und dazu eine fantasievolle choreografische Regie stammen von Elke Schuster – unseren aufwendigen Staatstheatern sollte die Wirkungskraft solch kreativer Fantasie Lektion sein.
Gezeigt werden die letzten dreißig Jahre einer durchschnittlichen afghanische Familie, die zum Spielball der großen Politik wird – zwischen Washington und Moskau, zwischen kommunistischen Revolutionären, dagegen rebellierenden Mullahs, Mudjahedin und dann den fanatischen Taliban – und dabei zerstört wird. Und zu den zynischen Macht-Mitspielern gehört eben auch die Bundesrepublik und unsere Regierung: »Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch« heißt dieses jüngste Stück der Compagnie. Gewiss, Deutschland spielt da nur eine Nebenrolle – aber die zählt auch; wie und warum, das wird uns hier vorgeführt.
Das ist Doku-Theater, die Rekonstruktion einer Zeitgeschichte, die wir hierzulande leicht vergessen und verdrängen. Afghanistan erscheint als die von den amerikanischen Politikspielern aufgestellte Falle, in die die Sowjetunion prompt tappte und dann unterging. Nur hatte die USA sich mit den verbündeten Taliban einen neuen Gegner geschaffen. Und es ist eine Geschichte, die nicht nur eine Gegenwart, sondern auch eine für uns selbst potenziell katastrophale Zukunft hat. Als genüge der Horror von bisher 50 000 Toten nicht, schließt das Stück mit einem beklemmenden Zukunftsszenario, unterlegt mit Bachscher Passionsmusik, die in eine orientalisierende Klagemusik übergeht (unaufdringlich anrührend die Musik von Rudolf Stodola): Eine Lektion großen und genuinen Theaters auf kleiner Bühne.”
(Neues Deutschland, 31.01.2009)
Weitere Informationen zum Theaterstück hier
Termin:
Donnerstag, 12.03.2010 um 20.00 Uhr
Ort:
HTW Berlin Campus
Wilhelminenhofstraße 75A, 12459 Berlin

