• 14th März 2010 - By Janina Gutermann
    Grafik-Koriphäe Kurt Weidemann setzt Zeichen

    Was haben die Linke und die FDP gemeinsam? Beide Parteien benutzen eine Schrift, die der Typograph und Grafikdesign-Professor Kurt Weidemann entworfen hat. Der Bundesverdienstkreuzträger sprach über seine langjährige Karriere – über die corporate designs für Mercedes Benz, Porsche und die Berliner Bankgesellschaft. Schnell stellt manJeder kennt Weidemanns Werke,  auch wenn er seinen Namen nie gehört hat Auch mit 88 Jahren denkt Weidemann nicht daran, leiser zu treten. Er ist mit Leib und Seele Typograf und engagiert sich darüberhinaus auch für den Grafikdesign-Nachwuchs – seit 1991 hat er eine Gastprofessur an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und reist für Vorträge durch ganz Deutschland. Seit der LiMA ist Kurt Weidemann Ehrenmitglied bei LiMA e.V..

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    Der Mann mit den roten Schuhen

    Eine Impression von Vi Vien Baldauf

    Kurt Weidemann. Der ist schon ein Typ(ograf). So eine Eigenmarke. Warum trägt er wohl die roten Schuhe? Aja, er fährt Ferrari. Mit Hut natürlich. Und das in seinem Alter von 88 Jahren? Nicht schlecht, Herr Specht. Obwohl er doch 1990 das Wappen und den Namenszug von Porsche neu gestaltet hat… Vor ihm wälzen sich die Fotografen und Journalisten wie eine Schar junger Karpfen. Weidemann scheint zwischen Genießen und Ertragen hin und her zu schwanken – natürlich in minimalistischster Ruhe: Die Beine überschlagen, die Hände gefaltet, die Tele-Objektive fokussiert er mindestens genauso scharf, wie sie ihn. Einmal lächelnd, einmal ernst. Immer im Wechsel der Augen, die auf ihn gerichtet sind. Weidemann ist Profi. i3Die Ikone der Schriftdesigner nimmt ab und zu einen Schluck aus ihrem Bierglas. „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“, frage ich. Er schaut mir ins Gesicht, ohne zu antworten. Die Antwort ist klar, deshalb ist er ja hier. Fragen, die nach seinen Vorträgen gestellt werden, sind ihm eh lieber als die, die vorher kommen. Denn die vorherigen seien immer langweiliger, da die meisten Journalisten danach Schlauere stellen würden. Ein Zyniker, der es anscheinend dennoch mag, noch in der Öffentlichkeit wahr genommen zu werden. Das hält ja auch sichtlich jung. Heutzutage würde er allerdings nicht mehr als Typograf arbeiten: „Das ist alles nichts mehr wert auf dem Arbeitsmarkt. Brotlose Kunst. Den Beruf des Schriftsetzers gibt es ja heute gar nicht mehr. Früher haben Verlage noch viel Geld für einen Schriftsatz und dessen Schriftsetzer ausgegeben. Heute macht jeder, der auf dem Computer etwas einhacken kann, seinen eigenen Stil. Da geht es nicht mehr um handwerkliche Kriterien, die sich an der Lesbarkeit eines Textes orientieren.“ weide4Ob er denkt, dass ein Schriftdesign seines Kollegen Thomas Hoyer für das „Mein“ vor dem RTL zu einer individuelleren Note (oder gar zu Einzigartigkeit) zwischen den Marken MeinVZ, Myspace, Myvideo, iMac und iPhone beigetragen hat? „Nein. Diese Inhalte sind ja alle relativ beliebig. Das macht heute keinen Unterschied mehr. Für mich richtet sich die Form immer nach pragmatischen funktionellen Kriterien und das ist eben die Lesbarkeit und Verständlichkeit. Von daher geht es mir nicht darum, Einzigartigkeit herzustellen. Das müssen die Firmen schon selber machen.“ Der Medientrubel ist vorbei, sein zweites Bierglas leer. Er geht. Was bleibt, ist Nostalgie. Fotos: Janina Gutermann

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